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Innerlich gekündigt - wann ist es Zeit für eine Trennung?

Jobwelt-Coaching #blog

Linda liebt ihren Job. Eigentlich. Seit vier Jahren ist sie Assistentin der Geschäftsführung in einem größeren Unternehmen. Ihr Chef ist zwar genau und streng, aber fair. Er nimmt Rücksicht darauf, dass seine MitarbeiterInnen motiviert bleiben und hat ein gutes Gespür für deren Führung. Im Großen und Ganzen ist seine Abteilung zufrieden. Auch Linda. Sie geht gerne zur Arbeit, kann meistens pünktlich nach Hause zu ihrem Mann und ihren Kindern. Nach dem getanen Werk, kann sie abschalten und den Feierabend genießen. Morgens geht sie meist positiv gestimmt an ihre Aufgaben. Nach den Jahren hat sich Routine eingestellt, die ihr die meisten Arbeitsabläufe erleichtert.

Im letzten Monat gab es eine Umstrukturierung und damit kam ein neuer Chef für Linda. Ihr Vorgesetzter hat ein schlechtes Zeitmanagement und bombardiert sie jeden Morgen mit vielen unerledigten Dingen, die früher nie ihre Aufgabe waren. Auf Nachfragen reagiert er meist verärgert und gibt kurze und knappe Antworten. Die Stimmung in der Abteilung verschlechtert sich von Woche zu Woche. Früher gab es zwischen der Arbeit immer wieder einen kleinen Plausch zwischen den KollegInnen zur Entspannung. Das möchte der neue Abteilungsleiter nicht und setzt sehr viel daran, dass selbst kurze Pausen während der eigentlichen Arbeitszeit auch komplett vermieden werden. Die Hilfsbereitschaft lässt nach, da jeder nun mit seiner eigenen Arbeit und vom Chef gesetzten Zeitlimits konfrontiert ist. Seit Neuestem möchte Linda's Chef außerdem, dass sie Überstunden macht, die sie dann in Zeitausgleich umwandeln soll. Er merkt zusätzlich an, dass er bestimmen möchte, wann sie die Überstunden abbauen soll.

Wenn Linda früher nach Hause gekommen ist, war es ein wichtiges Ritual für sie, dass die Familie gemeinsam zu Abend isst und jeder von seinem Tag erzählen kann. Doch seit einigen Wochen, ist Linda nicht mehr nach reden zu Mute. Vor den Kindern möchte sie sich nicht die ganze Zeit über die Arbeit beschweren, also schweigt sie am Tisch, um ihre negative Stimmung nicht ihrer Familie zuzumuten. Wenn sie Zeit mit ihrem Mann allein verbringt, regt sie sich permanent über ihren Chef auf: über die neuen Forderungen, die Arbeitsbedingungen, das Klima in der Abteilung.

Jeden Morgen kommt sie schwerer aus den Federn, da sie schon mit Grauen an den Tag denkt. Ihre Gedanken kreisen um den Stress, die unfaire Behandlungsweise durch den Chef, um ihre gereizten KollegInnen. Sie fühlt sich überfordert von den neuen Aufgaben und findet auch wenig Gefallen daran, da sie die meisten unter Stress erledigen muss, den sie aber nicht selbst verursacht hat.

An Montagen ist Linda immer mit ihren Freundinnen zum Laufen verabredet. Sport ist für sie ein gutes Ventil, um ihren Stress abzubauen. In den letzten Wochen bemerkt sie jedoch an sich selbst, dass sie sich immer schlechter überwinden kann, sich mit ihren Müdels zu treffen. Wenn sie es dann doch noch außer Haus schafft, nach einem zermürbenden Arbeitstag, kann sie nur an den letzten oder nächsten Tag denken. Sie fragt sich, ob sie wohl alle Aufgaben erledigt hat und was sich ihr Chef für morgen wieder überlegt hat. Linda lebt nicht mehr im Moment, sondern hat emotionalen Stress, der sie dazu veranlasse, in der Zukunft und Gegenwart zu leben.

Monate vergehen und sie hat immer noch nicht gekündigt. Äußerlich zumindest. Aber im Inneren da kocht und brodelt es, da verdrängt sie ihre Wut, um weitermachen zu können. Für sich und ihre Familie und für alte Glaubenssätze. Sie möchte eigentlich gar nicht mehr zur Arbeit. Jede Aufgabe erledigt sie einfach nur noch, weil sie muss. Von Wollen ist sie bereits weit entfernt. Wie ein Roboter stellt sie ihre Stimme auf freundlich, ihre Mundwinkel auf "lächeln" und ihre Gesprächsthemen auf "interessiert". Eigentlich ist es nur noch die Gewohnheit und die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes, die sie nicht gehen lassen. Sie hat sich noch nicht um eine neue Stelle umgesehen, da sie sich nicht eingestehen möchte, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Und so fristet sie ihr Dasein, bis womöglich das Burn-Out sie heimsucht.

Was kann man aus Linda's Geschichte raus lesen?

Sie kann nach der Arbeit nicht mehr abschalten.
Erholungsphasen nach der Arbeit sind jedoch besonders wichtig für die Psychohygiene. Durch Abschalten lädt man seine geistige Kapazität und seine Leistungsfähigkeit wieder auf. Bleibt dies über einen längeren Zeitraum aus, sind psychische und/oder körperliche Folgeschäden sehr wahrscheinlich. Du kannst nicht mehr geben, als Du zu geben hast.

Die Tätigkeit macht ihr keinen Spaß mehr.
Wenn Du etwas über einen längeren Zeitraum machst, sollte Dir die Tätigkeit -zumindest die meiste Zeit- Spaß machen. Da Du die meiste Zeit im Leben in der Arbeit verbringst, solltest Du Dir eine Sinn erfüllende gönnen, denn Du bist es Wert.

Sie nimmt die Probleme aus der Arbeit mit nach Hause.

Wenn Du psychisch gesund bist und Dein Job in gemäßigten Bahnen abläuft, kannst Du Deinen Arbeitsplatz normalerweise an Ort und Stelle lassen. Das bedeutet, Du denkst zu Hause nicht pausenlos oder gar zwanghaft an die Arbeit. Es gibt kein Gefühl der Belastung. Probleme können in der Abteilung gelöst und besprochen werden.

Sie hat innerlich bereits gekündigt.
Die innerliche Kündigung ist laut zahlreicher psychologischer Studien einer der Hauptgründe, weshalb Unternehmen zugrunde gehen. Wenn man, wie im Fall von Linda, einen schlechten Leiter hat, ist dieser imstande eine gesamte Abteilung oder Firma zu ruinieren. Der Wille der MitarbeiterInnen, für ein Unternehmen zu arbeiten, ist wesentlicher Bestandteil für Erfolg oder Misserfolg. Es ist aber auch für Dich selbst eine enorme psychische Belastung, Tag für Tag etwas zu tun, das Dich unglücklich macht.

Die Belastung des Berufs nimmt Platz in ihrem Privatleben ein.
Wenn Dein Beruf bereits Teile Deines Privaten eingenommen hat, dann bist Du aus psychologischer Sicht schon in den unteren Stufen eines Burn-Out's. Es wäre nun höchste Zeit, Deine berufliche Situation zu überdenken.

Manchmal ist man auch einfach gefangen und kann gar nicht genau ausmachen, was denn genau am Job nicht mehr stimmt. Linda's Situation ist ein Paradebeispiel, das klar zeigt, wer der Auslöser ist. Doch das muss nicht auch in Deiner Situation zutreffen. Vielleicht bist Du unglücklich in der Arbeit, fühlst Dich ausgelaugt und müde und kannst nicht sagen warum. Oder Du hast eigentlich vergrabende Träume, die tief in Dir schlummern und die Du endlich umsetzen möchtest. Manchmal sehnt man sich auch nach einer Umorientierung. Und oft reicht auch ein Wechsel der Abteilung in der eigenen Firma.

Worin Dein Problem genau liegt und welche Lösungen es gibt, können wir gerne gemeinsam herausfinden. Denn in jedem Problem steckt bekanntlich bereits die Lösung.

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